60% vom Abi geschafft

Ich gehöre mit zu den 83 Auserwählten unserer Schule, die dieses Jahr ihr Abitur schreiben dürfen. Da ich noch eine Besondere Lernleistung verteidigen muss, habe ich nicht nur vier, sondern gleich fünf Prüfungen. Meine Eindrücke und Erfahrungen mit den schriftlichen Tests habe ich im Folgenden mal ein wenig “zusammengefasst”.

27.04.2009 – Deutsch (Leistungskurs, P1) schriftliche Prüfung

Relativ ruhig und gefasst mache ich mich auf den Weg zur Schule. Aufregung? Noch nicht so wirklich. Kommt vielleicht noch. Doch sehr schnell merkte ich, dass dieser Tag anders ist als bisher – insgesamt zwei Autofahrer(-innen) hupten mich, während ich nichts ahnend vor mich hin ging, an und erschreckten mich damit sehr. Schließlich war mir das völlig fremd. Hat bisher niemand so wirklich gemacht. Beide Male habe ich brav meine Hand gehoben und somit den Gruß erwidert. Die Autofahrer konnte ich nicht erkennen, doch eine hat sich später als Herz-Muskel-Trainerin geoutet und mir sogar ihre Autofarbe verraten :D

Nach gefühlten zehn Minuten Fußweg (tatsächlich waren es 17 Minuten – wie immer in den letzten sieben Jahren) traf ich auf drei andere Schulkameraden und Mit-12er und wir unterhielten uns über das Essen während einer Prüfung. Schulkinderhumor halt. Doch dann wurde es ernst.

Mit einem Mal stand ich in der Aula, umgeben von ca. 80 Sympathisanten. Jeder wollte auf einmal sein Abitur haben, alle warteten geduldig und schon 20 Minuten vor „Einlass” standen alle vor der abgetrennten kleinen Aula. Unsere Oberstufenberaterin kannte aber keine Gnade und machte wirklich erst 7:30 Uhr die Türen auf. Wie auf dem Weihnachtsmarkt durfte nun jeder eine blaue Karte ziehen, diese mit den Karten auf dem Tisch vergleichen, und wenn die Zahl übereinstimmte, sich hinsetzen. Ich hatte die 20, wahrscheinlich eine sehr gute Glückszahl. Besser wäre die 13 gewesen, doch die hatte meine Nachbarin am linken Tisch.

Die fünf Zeitstunden vergingen wie im Flug, ab um 8 Uhr an herrschte richtige Stille. Doch dabei blieb es nicht lange. Schon wenige Minuten nach dem Start kramten die ersten ihre Buttermilchstullen heraus, öffneten ihre Merci-Packung (ohne Mist!), beäugten liebevoll ihre Schoko-Marzipankugeln. Ich mit meinen zwei Bananen in der blauen Brotbüchse und einer halbvollen Oppacher-Naturell-Wasserflasche fühlte mich ein klein wenig als Außenseiter, doch war wiederum stolz über meine Beschränkung auf das Wesentliche. Denn am Ende wurden nur die Hälfte der Buttermilchstullen, der Merci-Riegel und nur ein Drittel der Schoko-Marzipankugeln gegessen, wobei ich alle meine beiden Bananen aufaß. Wasser brauchte ich nur selten, so ca. aller halbe Stunde.

Als Thema wählte ich Numero 1.1. Wer damit nichts anfangen kann: Es ging hauptsächlich darum, eine textgebundene Erörterung in Form eines Briefes zu schreiben, welche sich auf eine relativ lange Aussage eines Schachweltmeisters über Stefan Zweigs „Schachnovelle” beziehen musste. Vorneweg natürlich eine kurze Analyse der vom Schachweltmeister hervorgebrachten Argumente, und als Crème de la Crème noch eine kurze Begründung, warum ich genau diese sprachlichen Mittel verwendet und genau diesen Inhalt angesprochen habe.

Während des Schreibens wurde man immer wieder gestört – das kommt selbst an den besten Gymnasien vor. Zum einen stand der stellvertretende Schulleiter in der Notausgangstür und machte andauernd „Psssst!” zu den kleinsten aller kleinsten, sobald sie ein paar Worte über Normaltonhöhe wechselten. Das ständige „Psssst!” nervte mich allerdings mehr als die sich unterhaltenden Schüler. Und so richtig gebracht hat es schlussendlich auch nichts, denn die Schüler quatschen munter weiter xD Zum anderen gab es natürlich wiedermal eine Grazie, welche hochhackige Schuhe (entschärfte Pumps mit ca. 5cm Absatz) anziehen musste. Bei der Belehrung genau eine Woche vor der heutigen Prüfung sagte unsere Oberstufenberaterin extra und ausdrücklich, dass genau solche Schuhe doch bitte nicht angezogen werden müssen. Ich hatte es fast schon erwartet – es gibt immer welche, die nicht hin hören. Schlussendlich musste sie die ganze Zeit auf dem Fußballen herum tippeln. So ganz bequem kann ich mir ein solches Laufen allerdings nicht vorstellen, aber als Frau empfindet man wahrscheinlich keinen Schmerz mehr in den Füßen xD

Eine Viertelstunde vor 13 Uhr, dem offiziellen Ende für die Leistungskursler, war dann die Krönung der Prüfung. Alle kleinen Schüler zwischen der fünften und siebenten Klasse rannten wie besengte Säue zur Essensausgabe. Das ist schon immer so und wird wahrscheinlich auch immer so bleiben, denn der Mensch ist ein primitives Wesen und denkt vor allem in jungen Jahren sehr eindimensional. Denn diese tobenden Kinderbeine und dazu die konstant herum quietschenden Babymünder produzierten ein Soundgemenge, welches so ziemlich einer Autogrammstunde bei Tokio Hotel gleichen muss. Das schlimme an der Sache war jedoch, dass kein Lehrer eingegriffen hat – obwohl das Problem ja bekannt ist. Niemand war dort. Oder zumindest nicht von Anfang an. Und solche plärrenden Bälger zu beruhigen ist nicht gerade einfach. Wer also zu der Zeit noch an seinem Deutsch-Abitur geschrieben hat und die letzten Gedanken konzentriert zu Ende bringen wollte, hatte schlechte Karten. Zum Glück war ich schon gegen 12:30 Uhr fertig, sodass ich mir sogar noch vor den Kindern mein Mittagessen holen konnte.

Und morgen steht schön die nächste Prüfung an. Diesmal Englisch. Grundkurs. Auch nicht schlecht. Hoffentlich.

28.04.2009 – Englisch (Grundkurs, P3) schriftliche Prüfung

Wieder einmal habe ich bis kurz nach Mitternacht für die Prüfung gelernt. Alles ein wenig kurzfristig und schlecht organisiert von mir.

Dennoch stand ich wieder entspannt auf und machte mich auf den Weg. Da ich mittlerweile wusste, wie alles abläuft, verschwendete ich daran keinen Gedanken mehr. Es war auch nichts anders als gestern, unsere Oberstufenberaterin machte wieder erst halb acht die Tür zur kleinen Aula auf. Die zweite Tür blieb gleich zu, da sie laut den Lehrern zu laut war, wenn man sie schließt. Stimmt ja auch. Jedes mal machte es „bumms”.

Als ich dann die Aufgaben in der Hand hatte, erschrak ich etwas, da ich felsenfest mit einer Arbeitszeit von viereinhalb Zeitstunden gerechnet hatte. Doch da hatte sich was Falsches in mir festgesetzt, denn es waren schlussendlich nur dreieinhalb. „210 Minuten”, wie es auf dem Zettel stand. Nun gut, dachte ich mir, das schaffst du trotzdem.

Kurz vor der Abgabezeit (11:35 Uhr) zählte ich noch die Wörter von den ersten drei Aufgaben und gab dann alles ab. Fertig geworden bin ich mit allem. Nur weiß ich absolut nicht, ob es sprachlich so gut war wie ich es mir erhoffe. Mal schauen. Da bin ich echt auf die Note gespannt.

Nach der Prüfung gab es eine kleine Stärkung in Form von Gulasch aus der Schulküche. Und dann war ich wieder einmal der erste, der zuhause die Tür auf machte. Gut so.

05.05.2009 – Mathematik (Leistungskurs, P2) schriftliche Prüfung

Das Mathe-Abitur war relativ angenehm. Doch beginnen wir von vorn… Kurz vor Mitternacht fiel mir ein, dass ich doch noch einen zweiten Taschenrechner benötige. Also habe ich mir den von meinem Bruder gemopst, schnell noch alle notwendigen Programm herüber kopiert und bin dann in mein Bett mit der harten aber dennoch angenehmen Matratze gegangen.

Dreiviertel sechs aufstehen ist wie immer eine Qual. Doch es hilft alles nichts. Was muss das muss. Gegen 20 nach sieben stand ich dann auch wacker in der Aula, bewaffnet mit meiner Wasserflasche, voller Federmappe, den beiden Taschenrechnern und meinem vor Wissen fast berstendem Gehirn. Schließlich stehe ich ja jetzt quasi auf dem Gipfel meines Wissens xD Auch wenn ich das noch nicht so richtig spüre.

Als ich die Aufgaben das erste Mal las, wuchs die Anspannung. Der Gedanke, ob ich das denn alles schaffen werde, entwickelte sich. Und als ich mir die Wahlaufgaben noch einmal durchlas, um mich zu entscheiden, was ich denn nun nehmen werde bzw. was der günstigere Teil für mich ist, kam der Gedanke noch einmal. Doch kaum mit der ersten Teilaufgabe des ersten Hauptteils angefangen, flutschte es zwar nicht so glatt wie bei einem 50-Euro-Mauspad, aber doch schon wie bei einem Mousepad für 1,99 Euro. Und wenn man einmal die Maus angestupst hat, dann will man sie nicht mehr stoppen. So arbeitete ich bis 12:30 Uhr, eine halbe Stunde vor Abgabe, durch. Zwischendrin meine beiden Bananen. Standard :D

Schlussendlich habe ich vom Aufgabenteil A und D1 jeweils bei der letzten Teilaufgabe eine Hälfte nicht richtig lösen können, aber beim Rest der Aufgaben kam immer etwas Plausibles heraus. Meine Hoffnung ist demnach, dass ich sogar zweistellig im Prüfungsfach Mathe abschneide. Aber gerade in Mathe lag ich da schon einige Male mit meinen Prognosen falsch xD

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