Heute hatte ich eine sehr interessante Diskussion mit meinen Eltern. Quasi einen Generationenaustausch. Ich muss das alles einfach zu einem Blogbeitrag verarbeiten, denn es hat mich schon sehr zum Nachdenken angeregt.
Eins vorab: Nur vollständig lesen macht Sinn, daher überlege bitte vorher, ob du ihn liest oder nicht. Ist ja nicht ganz kurz.
Abflachung
Unsere Generation ist wahrlich am Arsch. Wir gehen menschlich ein und entwickeln uns zurück bis hin zum Steinzeitmenschen. Das wird wohl schleichend von statten gehen, doch es kommt. Wir flachen ab. Denn die gesamte Kommunikation wird kürzer und oberflächlicher. Eigene Meinungen werden in 140 Zeichen gepackt und bestehen größtenteils aus Smileys und Ausrufe- oder Fragezeichen. Vor zehn, zwanzig Jahren, als man teilweise noch gar nicht wusste, dass es bald einen solchen Internetboom geben wird, wurden noch kilometerlange Zeitungsartikel geschrieben. Wohl recherchiert, sauber und gründlich ausgearbeitet und dann schließlich in die Zeitung gesetzt, mehr als nur ein paar Quadratzentimeter Platz einnehmend. Zeitungen wie z.B. die Süddeutsche Zeitung oder die FAZ bildeten. Man las jeden Tag, wenn man wollte, diese Artikel und erfreute sich an den zahlreichen Hintergrundinformationen und an den vielen Wörtern. Man lernte neues hinzu und durchquerte aufwendig ausgedachte Sätze. Heute hat sich das Bild schon enorm gewandelt. Durch das Internet werden Tageszeitungen von der Bildfläche verdrängt – jedenfalls in der Form, wie sie damals waren. Die Druckauflagen sinken rapide und somit haben einige Verlage entschieden, das Format wesentlich kleiner zu gestalten, um Papier zu sparen. Und Platz. Die Artikel werden kürzer und man kann es sich auch nicht mehr leisten, wirklich gute Journalisten einzustellen bzw. zu behalten. Außerdem sind die guten Journalisten ja genötigt, ihre Texte so kurz wie möglich zu halten. Die gesamte Qualität nimmt ab. Klar – die Menschen wollen heute schneller informiert sein. Kurze Artikel lesen, damit man mehr Zeit für andere Dinge hat. Fast nur noch die alte Generation hat Lust, in der Zeitung zu schmökern. Doch sie wird enttäuscht, da alles abgezwackter und weniger informativ ist als früher. Es gibt weniger interessante und wirklich tiefergehende Artikel. Dies führt dazu, dass auch die ältere Generation die Lust am Zeitunglesen verliert und viel weniger Zeit in die morgendliche Lektüre investiert.
Worauf ich hinaus will, ist, dass sich die Zeiten ändern. Eine neue Generation ist geboren, zu der ich mich natürlich zähle. Wir sind mit dem Internet und immer besser werdender Technik aufgewachsen, können uns ein Leben ohne World Wide Web so gut wie nicht mehr vorstellen. Das Problem an der ganzen Geschichte ist, dass im Internet fast alles auf Schnelllebigkeit ausgerichtet ist. So wirklich lange Artikel werden kaum noch gelesen. Alles muss ruck zuck gehen. Ansonsten könnte man ja eine Zeitung lesen oder sich einen Brief schreiben. Mein Vati hat mir berichtet, dass er die FAZ im Internet liest, da sie ihm im normalen Abo (gedruckte Ausgabe) zu teuer wäre. Dem pflichte ich bei. Warum soll man für eine Zeitung Geld bezahlen, wenn man sie online kostenlos lesen kann?
Blogbeiträge sind genauso wie die Tagesblattartikel auf das Wesentliche reduziert. Eigene Meinungen kommen sehr kurz rüber und Kommentare geben natürlich nicht wirklich ein echtes Feedback ab, da Sprache und Mimik fehlen. Wir flachen ab – alles wird kürzer und nicht unbedingt prägnanter. Wir kehren zur Steinzeitsprache zurück. Twitter treibt es auf den Höhepunkt. 140 Zeichen für eine Nachricht. Was soll man da groß hineinpacken außer ein paar Wörter und ein, zwei Smileys? Richtige, tiefgehende Kommunikation, die uns weiter bringt, bleibt so aus. Fachliteratur (also alles außer Krimis, Thriller & Co.) wird so gut wie nur noch beim Studium oder in der Schule gelesen. Doch nur durch solche kann man sich persönlich weiterbilden – andernfalls verdummt man. Man kommuniziert mit seinen Freunden immer auf dem gleichen Level und entwickelt sich nicht weiter. Erweitert nicht den eigenen Horizont. Und irgendwann beherrscht man nur noch „ahh”, „ohh”, „uhh”.
Das wahre Problem kommt erst noch:
Kontrolle
Wenn wir alles immer mehr vernetzen und bald fast alles auf dem Internet basiert, so sind wir alle zentral anzapfbar. Es ist heute schon so, dass jeder Handytastenschlag dem Handyhersteller gehört. Das ist zumindest bei Nokia so, von anderen Herstellern weiß ich das nicht so genau. Jede bei ICQ geschriebene Silbe gehört ProSieben. Jede E-Mail, die durch den GMail-Account flutscht, gehört Google. Wir können nicht wirklich beeinflussen, was hinter unserem Rücken mit den ganzen Daten geschieht. Durch GPS & Co. sind wir sogar positionsmäßig ausmachbar. Und jeder bei Twitter geschriebene Tweet bleibt für ewig auf irgendwelchen Servern und bietet so jedem Fremdem die Möglichkeit, viel über die jeweils twitternde Person herauszufinden.
Auf der Grundlage all dieser Daten sind wir sehr leicht kontrollierbar. Vater Staat muss lediglich über ein paar High-End-Rechner verfügen, um die Daten zu verknüpfen und zu kombinieren. Für ein gutes Nutzerprofil muss man nun nicht mal mehr einen Spion aussenden. Eine einfache Datenbankabfrage reicht aus.
Sollten wir nicht vielleicht etwas sorgsamer mit allem umgehen? Nein. Denn die Entwicklung zwingt uns ja quasi dazu, so offen wie möglich umzugehen. Wer kann schon auf ein Handy verzichten? Na mein Gott, dann werden die SMS halt auf den Servern von anderen gespeichert. Ein Risiko, das jeder auf sich nimmt.
Und damit machen wir es dem System ganz leicht für den nächsten Schritt:
Manipulation (quasi Zensur)
Wenn bald alles per Internet läuft, dann wird es sehr leicht für den Staat sein, alles zu manipulieren. Das fängt ja jetzt schon an. Es wird jetzt schon überall auf der Welt mehr oder weniger eingegriffen. Unliebsames entfernt. China ist da wahrscheinlich der beste Vorreiter.
Der Surfer sieht es einfach nicht. Lädt man sich ein Buch auf seinen Amazon Kindle (Achtung, Phantasie fängt an), dann ist es halt eine dezent angepasste Version. In der wurden Stellen einfach rausgenommen oder umgeändert, ohne dass es jemand merkt. Der Staat kann mal so eben Dateien von unserem Computer löschen oder jemandem E-Mails schicken, die gar nicht von uns stammen. Er kann einfach so unsere Accounts sperren, um uns vielleicht so dazu zu bewegen, nicht gegen den Staat zu hetzen. Wenn mit der Zeit alles geschwärzt wird, wie es derzeit schon mit den Kinderpornos anfängt, mit rechten Inhalten und danach wahrscheinlich mit linksradikalen Beiträgen weitergeht, so wird es irgendwann in einer Zensurwelle enden, die nicht nur auf ein Land beschränkt ist. Eigene Meinung zu verbreiten wird immer schwerer werden. Alles schwammiger Mainstream. Ohne, dass wir es merken. Beziehungsweise ohne, dass wir etwas dagegen tun. Ändert sich nicht bald etwas, so wird diese Entwicklung zunehmen und in einer Massenmanipulation enden, wie sie es schon im Dritten Reich gab. Nur werden dieses Mal nicht Plakate geklebt, sondern Webseiten geändert, geschaltet oder halt totgemacht. Ganz einfach. Ein gedrucktes Buch oder eine gedruckte Zeitung existiert fest. Ein digitales Dokument lässt sich jederzeit ändern – das liegt einfach in dem Prinzip der Art und Weise. Die beste Verschlüsselung kann nichts gegen die weltbesten Hacker ausrichten. Knackbar ist alles.
Und diese Massenmanipulation wird es kommen. 1988 schon vorausgesagt (Autor fällt mir im Moment nicht ein).
Wir flachen enorm ab, entwickeln uns zurück. Und wir machen durch die enorme Nutzung des Internets und moderner Technik eine vollständige Kontrolle über uns möglich. Diese beiden Fakten zusammengenommen ergeben sehr gute Voraussetzungen für eine schnelle Manipulierbarkeit großer Menschenmassen. Ein paar wenige kluge Leute werden uns eines Tages sagen, was Sache ist und wo es lang geht. Diese wenigen Menschen haben nicht das Internet für sich entdeckt und lesen weiterhin Fachliteratur. So sind sie in der Lage, uns zu übertrumpfen. Denn wir können ja gar nichts mehr ausrichten mit unserer verkommen Sprache und Schrift. Zudem lässt es sich schlecht von zuhause aus protestieren. Ein paar Ausrufezeichen unter dem Blogpost oder Video reichen nicht aus, um ein Regime zu stürzen.
Folgen
Was bedeutet das nun alles für unsere Generation? Ganz einfach: So wie jetzt darf es nicht weitergehen. Großes Aber: Es wird so weitergehen. Definitiv. Es wird sich zuspitzen. Immer mehr. Irgendwann kommt ein Punkt, ab dem es kein Zurück mehr gibt. Wehren wir uns nicht vor diesem Punkt, so ist alles verloren. Leider erkennen nur die wenigsten diese Entwicklung. Mir ist sie erst heute – wie gesagt: durch die Diskussion – klar geworden. Durch unseren exzessiven Internetkonsum flachen wir enorm ab und entwickeln uns zurück, machen uns selbst manipulierbar.
Es gibt quasi bald eine Diktatur, geht es so weiter wie bisher. Das einzige, was noch nicht sicher ist, ist der Zeitpunkt, ab dem alle Freiheit vorbei ist. In 10 Jahren? In 5 Jahren? Oder schon nächstes Jahr?
Wer weiß.
Super wichtig (!): Das bisher ist die Wiedergabe der Ergebnisse der Diskussion und keinerlei eigene Meinung! Bin hier nicht der Opa, der das Schicksal meiner Generation vorhersagt, ok? Also bitte das alles nicht falsch verstehen, sondern völlig losgelöst von mir betrachten. Danke.
Fazit und eigene Meinung
Ich habe so die wesentlichen Punkte herausgearbeitet, die heute in der Diskussion zutage getreten sind. Das Internet ist eine sehr schöne Sache, bringt uns als Generation aber nicht wirklich weiter, wenn wir so weitermachen wie bisher. Fachliteratur nimmt enorm ab und wird meistens nur von Leuten der vorherigen Generation geschrieben.
Alles in allem bin ich sehr gespannt, wie es in dieser ganzen Sache weitergeht. Blicke mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Da ich Optimist bin, gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass durch einen Politikerwechsel nach der Bundestagswahl die aktuelle Entwicklung hin zu zahlreichen Netzsperren und -zensuren gestoppt werden kann. Doch man weiß ja nicht, ob es eine weltweite Verschwörung gibt.
Seit ich 14 bin habe mich kontinuierlich selber zum Internetjunkie entwickelt und kann deshalb sehr gut an meine eigene Nase fassen. Bin viel zu sehr an das WWW gebunden. Was ich ändern werde? Ich weiß es noch nicht genau. Das wird Schritt für Schritt passieren. Erst mal vermutlich weniger sinnlose Sachen twittern, die viel zu viel über meinen Tagesablauf verraten. Alle weiteren Schritte muss ich mir noch überlegen. Und ich muss sowieso noch ein wenig über all das nachdenken. Denn ich wollte vor allem erst einmal diesen Artikel loswerden und die wesentlichen Gedanken der Diskussion an euch weitergeben. Vielleicht kommen ja ein paar von euch ebenfalls ins Grübeln.
Vielen Dank für das Lesen dieses Artikels


Das Internet zerstört Informations-Hierarchien – es schafft die alte Ständegesellschaft ab, in der die einen bestimmt haben, was die anderen wissen dürfen. Das ist ein ungeheurer Fortschritt und entfacht eine Dynamik im Leben der Leute, die beachtlich ist. Ich lese weiterhin auch lange Texte und Bücher, aber Twitter inspiriert zur Konzentration auf das Wesentliche, im günstigsten Fall zu echten Aphorismen, der Philosphie des Alltagslebens. Das Problem der großen bürgerlichen Qualitätszeitungen ist, dass sie zu lange an den wirklich wichtigen Fragen vorbeigeschrieben haben – siehe jüngstes Beispiel Debatte um Internet-Zensur.
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Schöner Artikel von dir, ich hatte mich schon selber länger damit beschäftigt (da ich genau so ein Internet-Junkie bin wie du). Bin eigentlich schon relativ früh auf die Piraten-Partei gekommen und fand deren (wenn auch relativ eintöniges) Parteiprogramm bzw. deren Ideologie sehr gut. Das sind Leute größtenteils wie wir, die wissen worauf es in der heutigen Internet-Gesellschaft ankommt. Falls du es noch nicht gesehen, empfehle ich dir das Video “Du bist Terrorist“, was sehr schön auf die schon heutige vorhande Durchsichtigkeit des Bürgers.
Nichtsdestotrotz bin ich immernoch ein Internet-Junkie und nutze gern Youtube, Google Mail, Google Kalendar, Google Maps und noch wahrsscheinlich jeden anderen Google-Kram der mir gefällt, wohl wissend, dass ich ziemlich durchsichtig bin. Aber ich mag einfach zu sehr die Tools um sie aufzugeben und das ist ja das Schlimme.
Eine gute Chance was zu ändern sehe ich in der Bundestagswahl, die Piraten müssen ein großes Ausrufezeichen an die Großen durch ihre Ergebnisse senden. Und deswegen will ich jetzt bald auch die PP wirklich unterstützen und dafür sorgen, dass sie ein paar mehr Wähler bekommt.
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@ piwarc: Recht hast du.
@ Alex: Ich kenne das Video schon und ich stimme der PP größtenteils in ihrem Programm zu. Da ich die anderen Parteien verabscheue, wähle ich, wenn es geht, die PP. Besser, als gar keinen zu wählen, finde ich. SPD, CDU/CSU, FDP, Linke, Grüne, NPD, … kommen für mich einfach nicht infrage.
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Wo ich das gelesen hab musste ich an folgendes Video denken: Niemand hat die Absicht einen Überwachungsstaat zu errichten
Du kennst meine Meinung zu Blogs, Twitter und den ganzen “Social Communities”. Genau diese ganze Selbstdarstellung, und damit auch Analysierbarkeit, ist einer der Gründe, wieso ich mich davon fernhalte. Eine gewisse Transparenz sollte man im Internet waren.
Und zum Thema Piraten-Partei: Ich wähle auch Piraten. Gerade aufgrund der Tatsache, das im Zuge der Globalisierung vieles auf dem Internet basiert und es immer mehr wird, sollte man sich dafür einsetzen, das dort klare gesetzliche Regelungen gelten. Am besten Global so das sich jeder daran halten muss.
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@ CoruBBa: Das Video ist ziemlich primitiv u_u Der Vergleich dort ist sehr weit her geholt. Aber ich stimme dir zu, dass man aufpassen muss, was man von sich preis gibt. Vor allem deshalb, da es, einmal “hochgebeamt”, für immer im Netz ist.
Mir macht die aktuelle Entwicklung ziemlich Angst, die in Deutschland stattfindet. Geht das so weiter, so haben wir in ein paar Jahren keinen Rechtsstaat mehr. Polizei und allgemein Überwachung werden es ersetzen. Alles wird auf eine Mainstreamschiene gesetzt und niemand darf mehr grenzwertig agieren.
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