Ich lese wenig Nachrichten. Aber jeden Tag die mobile Ausgabe der FTD. Erschreckend sind derzeit die Berichte aus Griechenland. Sie stimmen vor allem auch traurig. Dem ganzen Volk geht es total grottig und die Stimmung ist am Boden, weil ein paar wenige Leute (u.a. Regierung und die Leute, die über Bankgeschäfte entscheiden) krumme Geschäfte vertuscht, illegal gemachtes Geld nicht eingefordert und auch sonst wenig richtig gemacht haben. Nun gibt es einen harten Sparkurs, verordnet direkt von der EU selber. Und dazu kommt, dass es aufgrund der miesen finanziellen Lage von Griechenland vermutlich eine schlechtere Bonitätsnote geben wird. Das verursacht einen Teufelskreis, weil die Unternehmen nicht mehr an billige Kredite kommen, sich dadurch die Wirtschaftsleistung verschlimmert und dadurch die finanzielle Lage noch bescheidener wird.
Was tun derzeit die Menschen in Griechenland? Streiken. Taxifahrer, Fluglotsen, U-Bahner, Nachrichtensprecher (für 24 Stunden), Beamten, Ärzte und noch viele mehr. Die beiden größten Gewerkschaftsverbände hatten zu den Ausständen aufgerufen. Das öffentliche Leben liegt nahezu still. Ich persönlich finde es genau richtig, was die Bevölkerung macht. Denn sie ist nicht für die Krise verantwortlich. Der normale Bürger (das gilt logischerweise auch für Deutschland) arbeitet sein halbes Leben, rackert sich ab und kann – sehen wir doch mal den Tatsachen ins Auge – eigentlich nur zugucken, was die Politiker und Großfinanzleute da so machen. In Griechenland sollen jetzt im Laufe der ersten Maßnahmen das Renteneintrittsalter erhöht, die Mehrwertsteuer raufgesetzt und die Löhne von Beamten gesenkt werden. Kein Wunder, dass da auch die Rentner mit auf die Straße gehen.
Demnächst werden die Länder nur so kippen wie die Steine beim Domino Day. Eins nach dem anderen wird pleite gehen. Schaut euch mal die Haushaltsdefizitprozentsätze der einzelnen Länder an. Da sind einige schon zweistellig. Deutschland steht da noch sehr gut mit seinen 3,3 (2009), wird aber dieses Jahr vermutlich 5,5 haben.
Und da stelle ich mir die Frage: Ist das alles notwendig? Muss man so lange den Zustand verschlimmbessern, dass als einziger Ausweg nur noch der Weg auf die Straße bleibt? Dass Leute von Jung bis Alt verbittern, den Glauben an die Regierung verlieren? Dass es allen – auf Deutsch gesagt – total scheiße geht? Könnte man nicht mal sozial handeln und sich einfach gegenseitig die Schulden erlassen und finanziell von vorn anfangen? Die Regierungen kompetent besetzen, den Großfinanciers den Einfluss nehmen und Lobbyismus verhindern?
Schade, dass das nur eine kleine Traumfantasie von mir bleiben wird. Ich werde wohl weiterhin den Dominosteinen zuschauen müssen.


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