FFM hat mich schon damals fasziniert, als ich zusammen mit unserer Schülerfirma “Run 4 Life” dort zum Bundeswettbewerb aller deutschen Schülerfirmen war. Wir belegten zwar nur den inoffiziellen vierten Platz, aber das hat ja nichts daran geändert, dass wir in Frankfurt/Main hausierten. Dieses Jahr ist der Wettbewerb glaube ich in Berlin, fänd ich nun nicht so spannend, da man Berlin ja so halbwegs kennt. Wie dem auch so, Schülerfirmen gehen immer nur ein Jahr, daher war ich diese Woche wegen etwas komplett anderem in Frankfurt. Was genau, wird später noch verraten.
Mittwoch früh ging es los, ich stand daheim halb sechs auf und bugsierte meine drei Buchstaben nach Dresden zum Hbf. In Frankfurt rollte mein ICE dann gegen 12:41 Uhr ein. Eine Stunde, bevor ich im Hotel einchecken konnte. Also machte ich mich auf den Weg, ein wenig herumrumlatschen und Leute beobachten. Da ich ja keine Eile hatte und dementsprechend lahmarschig herumlief, quatschte mich draußen vorm Haupteingang gleich ein nettes Mädel von Malteser an. Die Unterhaltung war ganz ok, das Faltblatt nahm ich gern entgegen. Kleine Erinnerung, warum also nicht.
So gegen halb zwei kam ich an einem Asia-Restaurant vorbei, das zwischen 10 und 15 Uhr alles für 3,90 Euro anbot – bereit zum Mitnehmen. Drinnen war es warm und stickig, aber es war auszuhalten. Nach einer Weile hatte man sich dann akklimatisiert. Vorne am Eingang saß eine junge Truppe, bunt gemischt. Vermutlich werktätige Bevölkerung. Und vor mir am Tresen stand ein etwas älterer, leicht verwirrter Mann. Der war irgendwie total leicht reizbar und arrogant dazu. Er wollte irgendeine Soße zu seinem Reis mit Hähnchen dazu haben, und als ihn die Kellnerin fragte, was für Soße, da wusste er selber keinen Rat. “Machen Sie mir die Soße drauf, aber nicht zu viel.” – “Ja, was denn für eine Soße?”- “Ja, was weiß ich denn. Machen Sie halt die Soße drauf.” Es gab nämlich zwei verschiedene Soßen, und die kosteten auch noch Aufpreis. Der Mann ging dann übelst die Kellnerin an, so von wegen, was sie sich denn erlaube, sie solle sich mal nicht so anstellen. Dabei war ihre Nachfrage voll gerechtfertigt, nur verstand der Herr ihren Dialekt nicht so richtig. Das endete darin, dass die Kellnerin immer genervter wurde und irgenwann einfach irgendwas auf ihren Zettel schrieb, bevor sie diesen in die Küche gab. Der ganze Laden schien irgendwie etwas oll, zumindest das Regal hinter dem Tresen. Es war halb leer, neben den Schnapsgläsern lagen irgendwelche Zettel und der Staub wurde um die stehenden Gläser herum gewischt.
Irgendwann hatte ich dann mein Essen. Aß ich nach dem Checkin im Hotel. Nichts besonderes. Das Hotelzimmer war gut. Klein, aber gut. Völlig ausreichend für die eine Nacht und mit 40 Euro auch nicht zu teuer, lag schließlich nur 200m vom Hauptbahnhof entfernt. Das Personal war übelst cool und locker drauf, super Sache. Leider ging das angepriesene WLAN nicht mehr in meinem Zimmer, das sich in der dritten Etage befand. Und der Empfang des normalen Handynetzes war irgendwie auch recht bescheiden. Aber ich war ja weder zum Surfen nach Frankfurt gekommen, noch zum Fußball schauen.
Denn Mittwoch Abend spielte ja Deutschland gegen Ghana. Ein ziemlich günstiger Zeitpunkt, wenn man genau diese Nacht in einer Großstadt ist und am nächsten Tag einen ziemlich wichtigen Termin hat. Ich stellte mir schon vor, wie ich vor lauter Lärm nicht schlafen kann. Doch es kam anders. War alles sehr gechillt. Der Fernseher lief während dem Spiel auf lautlos, ich musste mich ja auf Donnerstag vorbereiten. Als das Tor fiel, merkte ich das automatisch durch die anderen Hotelgäste. Ich machte kurz den Ton an und schaute mir die Wiederholung des Schusses von Özil an. Als das Spiel vorbei war, war es noch nicht groß laut in der Stadt. Erst gegen elf fingen die Leute an, sich in ihre Autos zu setzen und hupende Autokorsos zu bilden. Und eben diese hörte man dann geschätzte zwei bis drei Viertelstunden. Aber halb so wild, ich schlief dennoch schnell ein. Und die Nacht war super. Die Matratze war ungefähr wie bei mir daheim und das Bett ein Doppelbett.
Donnerstag. Frankfurt/Main. Großstadt. Viele Menschen. Viele Eindrücke. Viele Erfahrungen. Es war ein sehr heißer Tag. Angesagte 27 Grad, gefühlt mindestens 30 Grad. Um zu meinem Termin zu kommen, musste ich mit der S-Bahn zum Flughafen fahren. Keine große Sache, da nur drei Stationen bzw. 10 Minuten. Den wesentlichen Teil meiner Fahrt machte aber die Wartezeit aus, so um die 40 Minuten. Ich setzte mich also auf so eine lustige runde aus Stühlen und war ganz überrascht, dass sich immer wieder Frauen direkt neben mich setzten. Vielleicht lag es an meinem schicken Hemd, wer weiß. Als ich dann draußen war und über das Flughafengelände ging, wurde mir schon recht warm. Es war noch an der Grenze, man schwitzte noch nicht richtig, aber es war für die Uhrzeit schon echt warm. Nachmittags wurde es noch viel wärmer, richtig brutal warm. An der Station stand zudem ein farbiger Mann, der die ganze Zeit aus einem Megafon irgendsoeinen Fußballfeierspruch liefen ließ. Die ersten Sekunden relativ lustig, dann aber voll nervig. Schließlich musste ich einige Zeit auf die Bahn warten.
Auf der Rückfahrt war im ICE die Klimaanlage defekt. Das war die wärmste Zugfahrt meines Lebens bisher. Ich knöpfte direkt noch ein Loch von meinem Hemd auf, war anders nicht zu ertragen. Zu unser aller Überraschung brachte das Personal eiskalte Getränke, sodass es einigermaßen erträglich wurde. Nach drei von fünf Stunden Fahrt ging die Temperatur so langsam runter, war ja schließlich schon 18 Uhr.
Was einem sofort auffällt, wenn man in Dresden steht: Mit Hemd ist man besonders. Da haben fast alle “normale” Sachen, sprich T-Shirts und Tops an. In Frankfurt rennen dagegen fast alle mit Hemd oder Anzügen rum. Im Bus stieg dann auf halber Fahrt eine Partygemeinschaft ein und es roch sofort überall nach Bier. Tjoar, fand ich gut. Nicht. Aber sie waren harmlos.
Alles in allem zwei tolle Tage. Ich mag Frankfurt/Main einfach. Es ist keine abgedrehte Stadt, aber lebendig. Die Leute sind nicht so wie in Hamburg auf Randale aus, aber lieben dennoch das Beisammensein. In Frankfurt findet man viele wichtige Unternehmen. Die Stadt ist modern und interessant. Schon 2008 hat sie eine gewisse Faszination auf mich ausgeübt. Und warum war ich nun in FFM? Ich sag es mal mit einem Wort: Bewerberauswahltest. :)





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