R.I.P. Blacky.

Blacky im Sommer (16.04.2009)

Mein Opa hat, seit ich denken kann, Hunde. Und auch schon lange vor mir hatte er immer einen Hund an seiner Seite. Als ich ein kleiner Junge war und das erste Mal bei meinen Großeltern zu Besuch, lernte ich Cindy kennen. Eine Schäferhündin, die auf einem Holzhaufen stand und mich etwas aggressiv anbellte, weil sie scharf auf meine Schokoschnitte war, die ich zu meiner Verwunderung in der rechten Hand hielt. Das ist so ziemlich die einzige Erinnerung von Cindy, die mir blieb. Denn sie verstarb recht bald und wurde durch Asta ersetzt. Eine Rottweilerin mit einem Stummelschwanz. Damals regte mich dieser von Menschenhand gekürzte Schwanz extrem auf, da ich nicht verstehen konnte, wie man einem Tier so etwas antun kann (ich kann es heute immer noch nicht). Asta war eine tolle Hündin. Prägendes Ereignis bei ihr war, dass ich sie einmal alleine hielt und sie mich brutal umriss. Die Kraft, die sie hatte, war echt brutal. Und einmal stellte sie einen Dieb, der aus der Werkstatt von meinem Opa eine Bohrmaschine klauen wollte. Echt geniale Aktion. Er lag am Boden und sie auf ihm. Harhar. Leider war ich nicht dabei.

Asta starb an Krebs (ich weiß nicht mehr genau, welche Form von Krebs). Es musste also wieder einmal ein neuer Hund angeschafft werden. Bisher stammten alle von Züchtern, doch dieses Mal wollten wir einen aus dem Tierheim. Mein Bruder und ich durften mitkommen. Wie aufregend. Für mich war es ein toller Tag, aber auch etwas bedrückend. Man sah sehr viele Hunde, von unterschiedlichen Rassen und unterschiedlichem Alter. Alle waren in recht kleinen, fast vollständig gefliesten Käfigen und bellten uns an. Wir gingen alle entlang, erst die eine, dann die andere Seite. Uns fiel ein schwarzer, junger, großer, kräftiger Rüde auf. Ein Labrador-Mischling, mit einem Hauch Rottweiler (v.a. das Fell). Wir entschieden uns, mit ihm spazieren zu gehen. Meine Oma war zwar für einen Schäferhund, aber da Cindy ja erst einer war, versuchten wir uns am Labrador, von den Mitarbeitern des Tierheims auf den Namen “Blacky” getauft. Er war extrem neugierig und bellte uns an, als er noch im Käfig war. Als er herausgeholt wurde, sprang er meinen Opa vor Freude an. Dann gingen wir los. Eine große Runde, ich glaube, sie dauerte insgesamt mehr als eine Stunde. Blacky zeigte sofort sein ganzes Temperament und zerriss unsere Tüte mit kleinen Leckereien, die wir mitgebracht hatten. Nach dem äußerst gut verlaufenem Spaziergang brachten wir den Hund zurück und fuhren heim. Zuhause wurde berichtet und abgestimmt – für Blacky.

Es ist ein großartiger Moment und ein tolles Gefühl, wenn man einen Hund aus der misslichen Tierheim-Situation befreien kann. Leider sind diese Hunde meist vorbelastet. So auch Blacky. Er wurde an einem Baum angebunden gefunden und seine Vorbesitzer haben ihn vermutlich oft geschlagen, da er Probleme mit der Hüfte hatte. Da seine Zähne stark in Mitleidenschaft gezogen waren (abgekaut), wurde angenommen, dass ihm Kinder Steine zum Spielen gaben. Bei so einem Hund muss man erst einmal Vertrauen aufbauen, denn das hat vermutlich durch seine früheren Halter verloren. Leider war er schon zwei bis drei Jahre alt, sodass es schwierig war, ihn noch richtig zu erziehen. Denn auch das war ihm nicht vergönnt. Sein ganzes späteres Leben bei uns hörte er nur, wenn er wollte, auf unsere Rufe und Befehle.

Die erste Zeit war schwierig. Er rannte oft wie eine besenkte Sau auf dem Grundstück herum und wenn er mal vollkommen alleine zuhause war, begann er, wie verrückt nach uns zu bellen. War ja auch verständlich, denn er hatte enorme Angst, erneut zurückgelassen zu werden. Dieses Trauma verarbeitete er aber zunehmend und wurde ein sehr liebenswerter Hund.

Blacky im Winter (01.01.2010)

Wie das nun mal so ist, hat jeder Hund seinen eigenen Charakter, seine eigenen Macken und seine eigenen Gewohnheiten. Blacky interessierte sich nicht die Bohne für andere Rüden oder für Katzen, was Spaziergänge mit ihm äußerst angenehm gestaltete. Es war echt bemerkenswert, er schnüffelte weiter die Wiese ab, egal, wie aggressiv und aufdringlich die anderen Hunde bellten. Vielleicht schaute er mal kurz hoch und schaute sich den anderen an, aber zu einer Handgreiflichkeit ist es nie gekommen. Vielmehr liebte er es, Hundedamen zu beschnuppern und sie zu beeindrucken. Blacky, der Charmeur. Er war nämlich nicht kastriert, mein Opa entschied sich bewusst dagegen. Einmal, als ich allein mit ihm am Kanal entlang ging und auf ein hübsches Mädel mit einer Colliedame trief (wir standen lange beisammen), witterte er seine Chance und versuchte, die deutlich ältere Dame zu besteigen.

Aufgrund der großen Entfernung besuchen wir unsere Großeltern nur selten. So kommt es vor, dass wir uns ein halbes Jahr nicht sehen. Oder sogar ein ganzes Jahr. Trotzdem, dass Blacky einen nicht sieht, wenn man die erste Tür auf macht, hat er nie gebellt. Er hatte einen unglaublich guten siebten Sinn dafür, ob jemand fremdes oder jemand bekanntes herein kam. Oft lag er hinter der Tür und lauschte angespannt.

Blacky – ein Labrador. Diese Rasse wurde früher in der Nordsee eingesetzt, um die Fischernetze durch das eiskalte Wasser zu ziehen. Wenn folgende Faktoren zusammen kommen, kann man sich denken, wie kraftvoll “der Schwarze” war: jung, Labrador, unkastriert. Die erste Zeit zog er unvorstellbar stark an der Leine. Sogar Opa hatte seine Mühe, denn Blacky hielt dies oft über eine Stunde durch. Kam man an den örtlichen Kanal (künstlich angelegter Verbindungsfluss zwischen zwei bestehenden Flüssen) und warf einen Stock in den Fluss, dann sprang er unbeirrt aus zwei drei Metern Höhe (Art Böschung) ins Wasser und schwamm sehr schnell dem Holz hinterher. Er war wahnsinnig schnell. Kein Wunder, denn Labradore haben Schwimmhäute zwischen den Pfoten – kein Witz.

Nach 12-14 Jahren (das genaue Alter wusste man ja nie) war schließlich Blackys Zeit gekommen. Er hatte große Probleme mit seiner Hüfte, hatte frühs starke Schmerzen und kam später nicht mal mehr einfache Treppen hoch. Meine Großeltern gaben ihm Schmerzmittel, wodurch es auch eine Zeit lang ging, aber das behob ja nicht die Wurzel des Problems. So musste er gestern eingeschläfert werden. Ich werde ihn vermissen.

Ein Video, welches ich am 01.01.2010 um 12:03 Uhr aufnahm, ist das letzte, was ich von ihm habe. Und jap, am Ende drehe ich weg, weil er scharf auf meine Kamera war *hihi*:

Bis jetzt 1 Kommentar.

  1. Mein Beileid.

    Trotzdem mag ich Hunde nicht.

    [Beantworten]

Sag deine Meinung.

[ Strg + Enter ]