Freitag, also neulich, war ich in Dresden. So ganz allein, denn ich hatte schließlich einen Termin. Der ist aber völlig unwichtig für euch. Hier soll es vielmehr um die Dinge gehen, die nach diesem Termin statt fanden. Teilweise mit mir in der Hauptrolle und teilweise mit mir als Gast. Selten auch als Mitspieler.
Einleitung
Es war so gegen 17 Uhr, ich in Hauptbahnhofnähe, genauer gesagt auf einer Holzbank in der Centrum Galerie. Dank meiner glorreichen Vorbereitung wusste ich, dass erst 19:45 Uhr der Film “Vergebung” im UFA Kristallpalast, einem örtlichen und etwas charmelosen Kino, läuft. Schnell also mein Handy Smartphone herausgeholt und mich mit der Cinemaxx-Webseite herumgeschlagen. Da diese irgendwie keine für Mobilgeräte angepasste Version hat und mein Androide ein wenig auf Kriegsfuß mit dem Kinoauswahlmenü war, musste ich Google bemühen und fand dadurch heraus, dass Viertel nach fünf auch dort der dritte Teil der Millenium-Trilogie sichtbar ist. Leider liegt das örtliche Cinemaxx nahe am Blauen Wunder (einer blauen Brücke, die ziemlich alt und in der Bausubstanz umstritten ist) und ist selbst bei Tempo 200 in frühestens 15 Minuten erreichbar. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln braucht man so 24 bis 30 Minuten. Also entschied ich mich, rund um die Prager Straße meine Zeit totzuschlagen.
Einkaufen
Ganz am Anfang erst Mal chillen, sprich Coffee Shop. Danach gleich ein paar Fliegen mit einer Klappe schlagen, sprich Sachen kaufen. Kurze Hosen sind bei mir etwas rar, ich konnte ja nicht ahnen, dass dauerhaft solche Temperaturen herrschen würden. Dank echt kompetenter und superschneller Beratung war ich nach gefühlten 15 Minuten wieder draußen und hatte zwei Hosen und ein T-Shirt im Beutel. Coole Sache. Im Erfolgsrausch setzte ich meinen Einkaufszug fort und ergatterte ein paar Sneakersocken (die schwarzen 43-46er waren echt kaum noch zu haben) sowie zwei T-Shirts von Tom Tailor, meinem Lieblings-T-Shirt-Hersteller.
Beobachtungen
Nachdem mein Konto um ein paar Euro ärmer war und ich erstmal alles hatte, was ich brauchte, ging ich wieder raus aus der Centum Galerie, auf der Suche nach einem Café, in dem ich die restliche Dreiviertelstunde absitzen wollte. Kurz, nachdem ich die ersten Schritte raus aus der kalten Halle, hinein in die warme Natur machte, lieg schräg an mir ein Mädchen vorbei, das einen Holzklotz am Bein hatte. Der war, wie man es vielleicht aus manchen Comics oder Filmen kennt, wie so ein schwerer Stein bei einem Häftling drangebunden. Um es kurz zu umschreiben: Dicke rote Schnur, kurz überm Knöchel festgebunden, danach mindestens ein halber Meter Platz, bis dann der Holzklotz in Würfelform kam. Dieser war recht groß, ich würde auf eine Kantenlänge von acht Zentimetern tippen. Kein Witz! Das war ein total komisches Bild.
Ein paar Meter weiter entdeckte ich einen Jungen und ein Mädel, beide eine Art Hefter in der Hand. Zwischen ihnen liefen ein paar Menschen lang, sie gaben sich aber dennoch ein Zeichen, machten sich quasi aus, wen sie als nächsten beehren wollten. Dabei sah ich, wie das Mädchen mich kurz ansah. Und als ich ein wenig auf sie zuging, war es mir schon klar: Sie will mit mir reden. Klar, ich bin jung, war allein und sehe harmlos aus. Perfekt. Es stellte sich heraus, dass sie von Malteser war. Sie gab mir gleich am Anfang die Hand, ich schüttelte sie etwas zögerlich. Diese Geste soll wohl eine Art Annäherung an den Probanden darstellen. Keine Frage, sie war attraktiv, ihre Stimme angenehm und sie hielt ihren Kopf sehr nah an meinem, eigentlich schon zu nah, es waren weniger als 30 Zentimeter. Sie erklärte mir so einige Dinge, unter anderem, dass sie noch zur Schule geht und dass sie monatlich sechs Euro an Malteser spendet. Ich schätze sie auf 16 oder 17. Ende der Geschichte: Ich füllte ihr Formular nicht aus.
In Frankfurt/Main begegnete mir auch ein Malteser-Mädchen, aber im Unterschied zu Dresden wurde mir dort bloß eine Broschüre mitgegeben. Empfand ich wesentlich angenehmer als dazu gedrängt zu werden, gleich mal eine Art Dauerüberweisung zu bewilligen. Zur Zeit scheint eh Hochsaison der Leutewerber zu sein, auf der Prager Straße sah man einige gleich angezogene Pärchen mit Heftern. Die verdienen so um die 1000 Euro, bei guter Werbequote 2000. So stand es zumindest mal neulich bei einer Anzeige, glaube ich.
Schluss
Nach diesen Eindrücken suchte ich mir dann einen Platz im vorderen letzten Drittel draußen in einem Café aus und pflanzte mich dort nieder. Himbeertorte und eine Tasse Kaffee waren das Monatsangebot. 2,99€. Gebongt. Hat beides gut geschmeckt. Während dieser nicht mehr vollen Dreiviertelstunde machte ich natürlich wiederum so einige Bemerkungen. Doch um die soll es heute nicht mehr gehen.


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