Von der Kunst, Dinge tot zu schreiben.

Manche Menschen beherrschen die Kunst, zu viel zu schreiben. Ja, zu schreiben, nicht zu reden. Negativ spielt hier noch mit herein, dass ihnen Tippen meistens Spaß macht und sie annähernd das 10-Finger-System beherrschen. Somit liegt die Hemmschwelle noch viel niedriger.

Manche Menschen formulieren Dinge breit aus, holen breit aus, beschreiben ausführlich. Die Leser haben kaum Motivation es komplett durchzulesen und das Antworten ist noch um einiges schwieriger, da man unendlich scrollen muss, ehe man wieder die Stelle hat, auf die man sich beziehen wollte.

Manche Menschen bringen weiterhin Themen zur Sprache, die eigentlich schon abgeschlossen waren. Und erwecken damit Tote zum Leben. Die Untoten sind dann ganz kompliziert, denn sie sind fies. Zu beiden Parteien.

Manche Menschen sind sich nicht mehr sicher, wo die Grenzen liegen. Bei welchen Themen sie zu viel geschrieben haben und bei welchen nicht. Es wird ihnen niemand sagen.

Manche Menschen sollten daher aufhören, Dinge tot zu schreiben. Aber nicht aufhören, zu schreiben.

Ich bin so ein Mensch.

Ja, es war abzusehen.

(Und ich glaube, es passiert mir immer weniger, dass ich Dinge tot schreibe. Aber es passiert noch.)

Bis jetzt 2 Kommentare.

  1. Leider ist dieses Phänomen nicht nur in Schreiberkreisen zu finden. Richtig beobachten kann man das in den Nachrichten: Bei jedem Großereignis (z.B. Katastrophe in Japan) berichten nahezu alle Medien den ganzen Tag, mehrere Wochen darüber und schon nach einigen Tagen wollen die Zuschauer nichts mehr mit dem Thema zu tun haben, obwohl die Ereignisse in den meisten Fällen ziemlich tragisch sind. Verschlimmernd kommt noch das Halbwissen und die vermeintlichen “Experten” hinzu, mit denen die Sender aufwarten, aber das ist eine andere Sache…

    [Beantworten]

    Das ist einer der Gründe, weshalb ich mich vom TV abgewendet habe. Zumindest vom Free-TV.

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